Fegefeuer der Eitelkeiten

„Das Feuer Gottes brennt in mir, und wenn ich ihm nicht Raum gebe, so verbrennt es mir Mark und Bein.“ Girolamo Savonarola

Am Morgen des 23. Mai 1498 endete das Abenteuer des Predigers Girolamo Savonarola. Der aus Ferrara stammende Dominikaner wurde in Florenz gehängt und mit seinen Brüdern Domenico und Silvestro auf dem Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoria  in Florenz verbrannt

Girolamo Savonarola wurde am 21. September 1452 in Ferrara, auf venezianischem Hoheitsgebiet, geboren. Er studierte die freien Künste, um sich auf ein Medizinstudium vorzubereiten. Doch der junge Savonarola bricht das Medizinstudium ab. Er verachtet die irdischen Dinge und die Gesellschaft. Am 24. April 1475 stiehlt er sich, 22-jährig, heimlich von Zuhause davon, um in Bologna dem Dominikanerorden beizutreten. Im Kloster merkt der junge Mönch, dass sein Orden auch nicht viel besser ist als die Welt.

1482 wird Savonarola ins Dominikanerkloster San Marco in Florenz versetzt, wo er Lektor wurde und die heilige Schrift vorzutragen und in der Predigt auszulegen hatte und 1491 zum Prior des Klosters San Marco gewählt. In Florenz entwickelt er seine prophetische Stimme, erlebt seine Offenbahrung, die besagt, dass die Kirche erneuert werden müsse. Seine Predigten haben immer den gleichen Inhalt: das furchtbare Strafgericht stehe kurz bevor. Seine Anhänger organisierten sich in der Bußsekte der “Piagnoni” (so genannt für die Tränen, die während der Predigten von Savonarola vergossen wurden). Als Verfechter der Korruption und Dekadenz der Kirche predigte er Buße als den einzigen Weg zur Erlösung.

Zur Zeit Savonarolas erlebte die katholische Kirche einen Moment extremer Dekadenz. Unter der Leitung von Alexander VI. , der Borgia Papst, Rodrigo de Borja und dann in Borgia „italianisiert“,  wurde Rom nach dem Kauf des Konklaves in ein Stadtbordell verwandelt, das Luther mit Sodom verglichen hatte.

Savonarola stellte die Legitimität der Wahl 1492 Alexanders VI. zum Papst in Frage, was zum offenen Konflikt mit Rom führte. Der Dominikaner Mönch wurde vom Pontifex aufgefordert in Rom Rechenschaft über seine Offenbahrungen abzulegen. Der Mönch blieb jedoch in Florenz. Am 8. September 1495 erteilte der Papst Savonarola ein Predigtverbot. Doch die Stadtregierung Florenz forderte ihn auf, trotzdem die Messe zu lesen. Savonarola hatte nun keine Hemmungen mehr. Seine Predigten richteten sich nun gegen Rom, das er als zweites Babylon bezeichnete.

Er war ein vielschichtiger und kontroverser Mann, der sich den Medici, Herren von Florenz, entgegenstellte und die Republik von Pier Antonio Soderini unterstützte. Ende Oktober 1494 stand Karl VIII vor Florenz. Piero de Medici machte, als er nicht mehr anders konnte, Zugeständnisse. Er verlor viel an Territorium und verpflichtete sich zu Tributzahlungen. Das empörte Volk jagte Piero und seine Familie aus der Stadt. Die Zeit Savonarolas war gekommen. Savonarola bewog Karl, seine Truppen aus der Stadt abzuziehen. Die Franzosen verließen die Stadt friedlich. Der Mönch wurde als Held gefeiert und zog nun im Hintergrund die Fäden der Macht. Florenz wurde zur frommsten Stadt Italiens.

Sein eigentliches Anliegen war, nicht nur eine grundlegende Reform der Kirche anzustreben, sondern gleichzeitig auch Florenz zu einem Ort uneingeschränkter Frömmigkeit zu machen. Ihren Höhepunkt fanden diese Maßnahmen im sprichwörtlichen Fegefeuer der Eitelkeiten, den von Savonarola veranlassten Scheiterhaufenaktionen („Rogo della Vanitá“) jeweils zu Beginn der Jahre 1497 und 1498 auf der Piazza della Signoria. Zu diesem Anlass wurden die Bürger aufgefordert, ihre Luxusgüter – zum Beispiel Bücher, Portraits, Kunstwerke aller Art, Musikinstrumente, Kosmetika, Spielkarten und vieles andere mehr – den Flammen zu übergeben.

Der Dominikaner Münch wird vom Papst Exkommuniziert doch Savonarola predigt weiter. So kam es, dass Alexander VI. 1498 Florenz mit dem Interdikt, dem Verbot die Messe zu zelebrieren und die Sakramente zu spenden, drohte, was schwere Folgen für die Stadt gehabt hätte. Kein Christ hätte mehr mit der Stadt zu tun haben dürfen. Die Handelsbeziehungen wären verloren gewesen.

Die Situation gerät aus den Rudern und Savonarola verliert seine Anhänger. Er wird verhaftet und zum Tod verurteilt von zwei Gerichten. Vom Weltlichen Gericht durch Aufhängen und vom Christlichen Gericht durch Feuer.

Die Hinrichtungen erfolgen am 23.05.1498. Der Leichnam wurde verbrannt, die Asche in den Fluss Arno gestreut. Nichts sollte von ihm bleiben, kein Grab zum Anziehungspunkt für Anhänger werden.

Bis heute wurde Girolamo Savonarola von der Kirche nicht rehabilitiert.

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