Wo waren Sie am 27.05.1993?

Gewisse Daten prägen sich in unseren Köpfen ein. Bei mir ist es das Datum 27.05.1993 als das Attentat in der Via dei Georgofili in Florenz verübt worden ist.

Ich lebte seit 14 Monaten in Florenz – der Liebe wegen – und befand mich an diesem Tag mit meinem zukünftigen Mann und meinen Eltern am Meer in Tonfano. Dort hat uns im Zeitalter ohne Mobiltelefon, Twitter, Facebook und WhatsApp über Radio die Meldung erreicht, dass das Herz, das zivile Zentrum von Florenz, durch ein Attentat verletzt worden ist.

“La strage di via dei Georgofili” wie das Attentat offiziell heißt, hat sich tief in die italienische und vor allem in die florentinische Volksseele eingegraben. In Florenz werden an diesem Sonntag – 25 Jahre danach – viele in stiller Andacht an dieses Massaker erinnern und  Blumen niederlegen. Fünf Menschenleben wurden vor 25 Jahren durch diesen Mafia Anschlag ausradiert, eine vierköpfige Familie ausgelöscht,: einen 39-jährigen Vater, seine 36-jährige Frau, ihre 9-jährige und 50 Tage alten Töchter sowie ein 22-jähriger Student. Menschen welche heute in der Mitte Ihres Lebens stehen würden.

Fast genau ein Jahr vor dem Attentat in Florenz wurde in Palermo der Mafia-Jäger Giovanni Falcone ermordet. Unter der Autobahn waren 500 Kilo Sprengstoff deponiert, die bei der Durchfahrt von Falcone und seiner Frau gezündet wurden. Zwei Monate nach Falcones Tod wurde auch sein Freund und Mafia-Jäger Paolo Borsellino Opfer eines Sprengstoffanschlags.

Ich komme fast täglich bei der via dei Georgofili vorbei. Mit meinen Gästen halte ich immer für einen kurzen Moment an., in Erinnerung an dieses Attentat, an diese unschuldigen Menschen welches ihr Leben gelassen haben und hinauf schauend zur Skulptur von Roberto Barni, „Passi d’oro” – die goldenen Schritte – diese ist die emblematische Figur eines Mannes, der seine Reise beginnt, die auf Messers Schneide steht, die von der Wand neben einem geschlossenen Fenster, zwanzig Meter hoch, hervorsteht. Er steigt nicht alleine auf, sondern bringt fünf weitere kleinere Figuren mit – Erinnerungen an die Opfer. Die goldene Skulptur repräsentiert die Kunst in ihrem beständigen Versuch, die Tragödie zu überwinden.

Vor 25 Jahren am 27.05.1993 war ich am Meer aber Fabrizio, Angela, Nadia, Caterina und Dario waren leider in der Via dei Georgofili…

 

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